1. Schweizer Sportfahrersymposium

Der Athlet macht das Motorrad schnell, nicht umgekehrt !


Der Effretiker Ulli Woelk sprach beim Sportfahrersymposium in Dübendorf über Ernährung und Getränke.
Zu den Zuhörern zählte das Grütner Motorradass Randy Krummenacher.

Über 100 Motorradrennfahrer folgten am Samstag der Einladung zum ersten Schweizer Sportfahrersymposium in Dübendorf.

Fünf Fachreferenten liessen die Sportler von ihren Erfahrungen profitieren.

Marlies Bernhard, durch ihre Zusammenarbeit mit Tom Lüthi bekannt, sprach über die mentale Vorbereitung
• Unfallchirurg Markus Amgwerd referierte über Schulterverletzungen
Stephan Nüsser zur Leistungsdiagnostik und Training
Hartmut Semsch zum modernen Protektorenbau

Wenige gewichten Ernährung richtig

Seinem Spezialthema, der sinnvollen, gesunden Ernährung und der Getränkaufnahme widmete sich Ulli
Woelk
. Er stellte fest, «dass der Motorradrennsport in Europa eine Entwicklungsregion in diesem Bereich
ist». Er bemerkte, dass nicht das «Motorrad den Fahrer schnell macht». Es sei der Athlet, welcher das
Motorrad schnell mache. Die Ernährung und Getränkeauswahl bildeten einen wichtigen – bisher vielfach
schlecht beachteten – Faktor. Nur wenige Ausnahmeathleten, wie der beim Symposium anwesende
Grütner GP-Pilot Randy Krummenacher, würden diesen Teil des Sports richtig gewichten. Immer noch sei
es «vor allem im Motocrosssport üblich, dass Fahrer mehrere Würste verschlingen, Cola trinken und oft zu
viel Süsses verzehren». Damit lassen sich Höchstleistungen nicht abrufen.

Woelk wünscht sich, «dass Motorradfahrer – wie in der Runningszene verbreitet – am Vorabend eines
Startes durch Teigwaren die nötigen Kohlehydrate auf- nehmen». Das geschehe bisher zu selten. Am
Startmorgen rät er zu Müesli sowie Vollkornbroten und genügend gesunden Getränken. Süssgetränke entziehen Flüssigkeit, warnt er.

Ulli Woelk machte in Dübendorf die Motorradrennfahrer darauf aufmerksam, dass «Leistungssport eine
sinnvolle Ernährung während des ganzen Jahres nötig macht». Die richtige Zusammenstellung erfordere
55 Prozent Kohlehydrate (Teigwaren, Kartoffeln, Reis) und 25 Prozent Eiweiss (zum Beispiel Fleisch
oder Käse). Der Rest bestehe aus verschiedenartigen Fetten sowie Gemüsen und Salaten, mit denen
wichtige Mineralien und Vitamine aufgenommen würden.

Hinsichtlich Flüssigkeitszufuhr riet Woelk den Kursteilnehmern «viele isotonische Getränke» einzunehmen. Sie gelangten viermal schneller in den Körper als andere Getränke.

Schlecht seien stark gesüsste Getränke wie Cola, Red Bull oder Orangina.

Sie entzögen dem Körper Flüssigkeiten, indem das Wasser primär aus dem Blut in den Darm ströme. Etwa
2,5 Liter Flüssigkeit pro Tag müsste aufgenommen werden. Körperliche Belastungen und die vermehrte
Schweissmenge erforderten «ein zusätzliches Bedürfnis von bis zu 2,5 Litern ». Nur wenn Ernährung und
Trinkverhalten der Motorradsportler den vorgegebenen Voraussetzungen entsprächen, war Woelk am
Symposium überzeugt, «werdet ihr eure Leistungsgrenze erreichen». Puristisch allerdings zeigte er sich
nicht: «Ihr könnt während eines Jahres durchaus die eine oder andere Sünde begehen.» Wichtig sei die
Gesamtbilanz.

Krummenacher trinkt 6 bis 14 Liter

Ein Vorbild hinsichtlich Ernährung und Getränke ist für Woelk der 19-jährige GPFahrer Randy
Krummenacher. Wie der Grütner sagt, beherzige er sich schon seit seinem Einstieg in den
Motorradrennsport mit fünf Jahren einer gesunden Ernährung. Da habe er von seinem Vater profitieren
können, der selber Motorradrennen bestritt. Zusprechen vor dem Rennen würden ihm vor allem
Kohlehydrate. Weil sein Körper einen kleinen Fettgehalt aufweise, esse er auch einmal Früchte wie
Bananen oder trinke einen Schluck Red Bull. So könne er eine Unterzuckerung verhindern. Natürlich
ernähre er sich während des ganzen Jahres sehr bewusst, ergänzt er. Das schliesse nicht aus, dass er
auch einmal eine Crèmeschnitte oder einen Hamburger geniesse. Alles aber müsse «im vernünftigen
Rahmen» bleiben. An einem Renntag trinke er zwischen 6 bis 14 Liter. Die obere Grenze erreicht er im
subtropischen Gebiet in Malaysia.


Silvio Seiler - Motorrad

Copyright (c) Tages-Anzeiger - 03.03.2009


nach oben